Ein Gespräch mit der Frau, die mich erfunden hat
Von Rea Maiwald, Tagesbote Nebra
Wenn man als Lokaljournalistin plötzlich selbst zur Figur in einem Krimi wird, ist das gewöhnungsbedürftig. Noch seltsamer wird es, wenn man die Gelegenheit bekommt, die Frau zu interviewen, die einen erdacht, geformt, mit Stärken und Schwächen ausgestattet – und dann in die Abgründe des Unstrutlands geschickt hat. Ich habe mit Anne Weinhaus gesprochen, der Autorin meines literarischen Daseins. Ein Gespräch über Spätlesen, Schreibkrisen und den Mut, loszulassen.
Rea Maiwald: Frau Weinhaus, Sie haben zehn Jahre an Spätlese – Lang lebe die Königin gearbeitet. Warum so lange?
Anne Weinhaus: Du kennst das doch, Rea – als Mutter gehört einem der eigene Tag nur selten selbst. Ich war alleinerziehend, als ich die ersten Szenen und Kapitel geschrieben habe. Zwischen Brotdosen, Hausaufgaben, Wäschebergen und Deadlines blieb oft kaum Raum fürs Schreiben. Und wenn doch, dann hat mir oft der Mut gefehlt.
Aber ich bin drangeblieben. Stück für Stück. Und je größer mein Kind wurde, je mehr es seinen eigenen Radius entdeckt hat, desto mehr konnte ich meinen wieder ausweiten. Und da warst du – plötzlich wieder laut, fordernd, lebendig. Du bist mit mir gewachsen. Und ich mit dir.
Rea: Das klingt verdammt vertraut. Ich glaube, deshalb bin ich auch so geworden, wie ich bin. Nicht perfekt, aber hartnäckig.
Anne (lacht): Das stimmt. Aber genau deshalb habe ich dich gebraucht. Eine Frau, die zurückkommt, sich behauptet, zwischen Weinreben und Widersprüchen ihren Weg sucht. Das war mir wichtig – auch für mich selbst.
Rea: Und jetzt ist das Buch fertig. Wie fühlt sich das an?
Anne: Als würde ich ein Kind in die Welt entlassen. Stolz, ein bisschen zittrig – und sehr gespannt, ob es heil ankommt. Das Cover ist wunderschön geworden, das Lektorat hat nochmal ordentlich gezogen, und die Druckfreigabe ist raus. Jetzt hängt alles am 18. August. Ich hoffe, der Termin hält. Auch wenn das Cover ein paar Tage zu spät kam – das passt irgendwie. Du warst ja auch nie pünktlich.
Rea: Frechheit. Aber gut, ich gebe zu: Manchmal muss man auf gute Dinge eben warten.
Was wünschst du dir jetzt, wo du mich loslässt?
Anne: Dass du deinen Platz findest. In den Regalen, in den Köpfen, vielleicht auch in den Herzen der Leserinnen und Leser. Und dass du nicht die Letzte bleibst. Ich habe noch mehr Geschichten im Kopf – aber du warst die erste, die unbedingt geschrieben werden musste.
Rea: Und du warst mutig genug, mich zu Wort kommen zu lassen. Danke dafür.
Letzte Frage: Wird es eine Fortsetzung geben?
Anne (lächelt): Ich weiß schon sehr genau, wo du dich wieder einmischen wirst.
Hinweis der Redaktion: Spätlese – Lang lebe die Königin erscheint – mit etwas Glück – am 18. August 2025. Mehr Einblicke gibt es auf Insta@rea.recherchiert und http://www.weinhauskrimi.com

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